Das Betonkanuprojekt - Eine Nachbetrachtung

ZurückIm Februar 2011 trafen sich zum ersten Mal ca 30 engagierte Architekturstudenten aus Bachelor und Master um gemeinsam ein Projekt auf die Beine zu stellen, das Betonkanu- Regatta-Projekt. Die HCU nahm dieses Jahr schon zum vierten Mal an der offiziellen deutschen Betonkanu-Regatta teil, die dieses Jahr in Magdeburg statt fand und so hatten wir einige „alte Hasen“ im Team von deren Wissen aus den letzten Jahren wir profitieren konnten.

Den ganzen März, April und Mai hindurch wurden Betonrezepte ausprobiert, wieder verworfen, kleinste Mengen der Inhaltsstoffe geändert und so ein für unsere Zwecke sehr gut geeignetes Betonrezept entwickelt. Die Schalung für unsere Boote wurde eine ausrangierte Rennkanadier-Form, die wir auch schon in den Vorjahren benutzten, die sich als sehr geeignet herausgestellt hatte und die wir von einem Bootsbauer bekamen. Entgegen dem weit verbreiteten Gedanken, dass Beton gegossen wird, entwickelten wir unser Rezept so, dass wir den Beton in unsere Schalung spachteln konnten, um leichte, dünnwandige und optimale Boote zu bekommen. Vor dem Spachteln wurde die Schalung immer wieder und immer feiner poliert, denn nur so konnten wir eine sehr glatte und glänzende Außenseite der Boote erzielen, für die wir auf der Regatta, ebenso wie für unseren weißen Beton, schon bekannt waren.

Nachdem die Neulinge unter uns eingewiesen waren, wurde Ende April das erste Testboot gebaut. Mit kleinen Makeln, aber doch recht gut gelungen wurde es natürlich ein paar Tage später auf dem Isebekkanal ausprobiert, mit einem guten Ergebnis: Es ließ sich gut fahren und lenken und der Beton hatte optimale Qualität für unsere Bedingungen. Parallel zum Bau der neuen Boote waren unsere Paddler-Teams mit den Booten aus den Vorjahren seit März fleißig am Trainieren für die große Regatta. Zwei Herren und zwei Damen Teams durften wir stellen, die so gut es eben neben dem normalen Uni-Alltag ging trainierten, wobei sie von Heiko Pfütz als Trainer, sowie von Car Finnern, dem Vorstand des WSAP, wo wir unsere Boote lagern durften unterstützt wurden.

ZurückAußerdem waren die Masterstudenten fieberhaft dabei, ein Konzept für unseren Präsentationsstand in Magdeburg zu entwerfen. Es gab einen kleinen Wettbewerb mit fünf Arbeiten, von denen die beste gewählt und weiterentwickelt wurde und letztendlich von allen zusammen gebaut und regattatauglich gemacht wurde. Ein Gerüst aus Traversen mit einem Segel als Dach bildete die äußere Form. Im Inneren wurden aus blau und weiß angestrichenem Holz drei Tresenreihen mit Höhenversprüngen mit Hilfe eines einfachen Stecksystems aufgebaut. Auf der mittleren, breitesten Reihe wurden unsere Boote präsentiert, die beiden äußeren Reihen dienten als Sitzgelegenheit und Stauraum für Kühlschrank, Musik und Regatta-Utensilien.

Nachdem wir, um sicherzugehen, dass alles glatt läuft noch ein Testboot gebaut hatten, ging es nun an die Regatta-Boote. Die sollten nicht einfach weiß sein, sondern zusätzlich zwei Streifen in unserer Teamfarbe blau erhalten. Nicht ganz einfach, aber aufgrund eines ausgeklügelten Schablonen-Systems machbar. Die beiden Boote wurden genau, wie wir sie uns vorgestellt hatten: stabil und aufgrund der geringen Wandstärke trotzdem leicht. Es wurden noch einige letzte Vorbereitungen für die Regatta getroffen und dann ging es am Donnerstag, den 23.6.2011 los in Richtung Magdeburg.

Am Freitag wurden die Präsentationsstände aufgebaut, die Boote gemessen und gewogen und die Konkurrenz begutachtet. Unsere Boote zählten mit 46kg und 55kg wieder einmal zu den leichtesten Rennbooten und stachen wie immer durch den weißen Beton und die glatte Oberfläche hervor, sodass die Jury wie auch schon vor zwei Jahren, mit einem Wassertest sehr gründlich schaute, ob unsere Boote nachträglich mit Lack oder ähnlichem auf der Oberfläche behandelt wurden, denn das ist gegen die Regeln. Natürlich war das nicht der Fall, was wieder einmal dazu führte, dass wir Architekten den ungläubigen Bauingenieuren erklären mussten, wie eine solch glatte und glänzende Oberfläche zustande kommen kann, nämlich durch das stundenlange polieren der Schalung.

Zurück Dass wir die einzigen Architekten unter Bauingenieuren waren, machte sich auch wieder wie in den Vorjahren durch unseren Präsentationsstand bemerkbar. Während die meisten Teams unter einfachen Pavillons ihre Boote präsentierten, stach unser Stand mit seinem durchdachten System deutlich hervor und lenkte einige Blicke auf uns. Am Freitagabend fand die traditionelle offizielle Eröffnung der Regatta in der Stadthalle Magdeburg statt. Mit leckerem Essen, Freigetränken und Live-Musik wurde dies wieder ein lustiger Abend, bei dem man wieder einmal merkte, dass es sich bei den Teams meist nicht um verbissene Konkurrenten handelt, sondern um Studenten aus ganz Deutschland, der Schweiz und Holland, mit denen man auch feiern und Spaß haben kann.

Am Samstagmorgen um 8:00 Uhr starteten die ersten Herren-Teams ihre Rennläufe. Es starteten immer vier Boote gemeinsam pro Lauf, auf vier Bahnen. Ein bisschen müde noch vom Vorabend gelang es unseren beiden Herren-Teams leider nicht auf Anhieb sich im Vorlauf für die Zwischenläufe zu qualifizieren. Sie mussten im Hoffungslauf nochmal ran und kamen leider auch hier nicht gegen die starke Konkurrenz an, so dass hier leider Schluss war.

Etwas besser lief es bei den Damen. Zwar missglückten auch hier die Vorläufe, aber hier nutzten beide Teams die Hoffnungsläufe. Allerdings musste das Team „Alster“ mit einem kleinen Handicap ins Rennen gehen: An der Startlinie wurde ihr Boot von einem holländischen Boot, welches aus dem Lauf vorher zurückkam gerammt, sodass unsere „Alster“-Mädels kenterten. Sie wurden mitsamt Boot vom DLRG aus dem Wasser gefischt und durften bei einem Ponton, auf dem die Juroren saßen das Boot ausleeren und wieder einsteigen und noch einmal zum Start fahren. Die Bedingungen waren nun nicht gerade gut. Es war kalt und unsere Paddlerinnen waren nass. Trotzdem kämpfte sich die „Alster“ nach vorne und gewann den Hoffnungslauf um Längen.

Auch die „Elbe“-Damen qualifizierten sich in ihrem Lauf über eine schnelle Zeit für das folgende Viertelfinale.

Zurück Das Team „Alster“ war außerdem das einzige Team auf der gesamten Regatta, welches die spezielle Kanadier Technik benutzte, bei der man nicht auf beiden Knien kniet, sondern einen Fuß vor sich aufstellt, um mit dem Paddel noch weiter aus dem Boot zu kommen. Diese Technik ist zwar wackeliger als die kniende Variante, aber auch um einiges effektiver und schließlich musste sich das Training ja auch irgendwo bezahlt machen. Auch der Sprecher der Regatta kommentierte immer wieder begeistert unsere beiden Mädels, sodass wir auf jeden Fall bleibenden Eindruck hinterließen. Leider mussten im Viertelfinale die beiden HCU-Damen-Teams zusammen mit zwei anderen Teams gegeneinander fahren, was zwar nicht weniger Chancen auf eine Qualifikation für das Halbfinale bot, da die ersten beiden aus jedem Lauf weiterkamen, moralisch für uns jedoch ein wenig seltsam war.

Das Team „Alster“ gewann das Viertelfinale, wohingegen sich das Team „Elbe“ leider knapp geschlagen geben musste und mit dem dritten Platz aus dem Rennen war. Im Halbfinale, dem mittlerweile vierten Lauf unseres Teams „Alster“, merkte man, dass allmählich, auch aufgrund des „nicht wieder warm werdens“ nach der Kenter-Aktion, die Kräfte schwanden. Alles was ging, wurde noch einmal umgesetzt, es reichte aber leider nur für den dritten Platz im Halbfinale, und dem insgesamt sechsten Platz von 36 gestarteten Booten bei den Damen, worauf wir trotzdem stolz sein können. Und dann gab es noch eine kleine Überraschung bei der Siegerehrung: Unsere gekenterten Mädels erhielten immerhin den Pechvogel-Preis der Regatta, mit einer in einem Betonklotz steckenden umgedrehten Sektflasche als Trophäe, Urkunde und einem Preisgeld. So wurden wir für das knapp verpasste Finale ein wenig entschädigt.

Auch wenn nicht alles so gelaufen ist, wie wir es uns vorgestellt haben, so war das Projekt dennoch gelungen und hat Spaß gemacht. Wir können stolz sein, auf das, was wir erreicht haben und sind uns ganz sicher:

Beim nächsten Mal sind wir wieder dabei!

(Miriam Weers)

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